Warum DIN-Normen keine Stürze verhindern
Warum DIN-Normen keine Stürze verhindern
Und warum Standardlösungen für Pflegebedürftige oft nicht ausreichen
Viele Handläufe werden „nach DIN-Norm“ gefertigt.
Das klingt zunächst beruhigend – schließlich steht DIN für Qualität und Sicherheit.
Doch hier liegt ein entscheidender Punkt, der oft übersehen wird:
DIN-Normen sind nicht speziell für pflegebedürftige Menschen gemacht.
Und genau deshalb verhindern sie nicht automatisch Stürze.
Was DIN-Normen tatsächlich regeln
DIN-Normen definieren unter anderem:
-
Mindesthöhen von Handläufen
-
Durchmesser
-
Abstände zur Wand
-
Belastbarkeit
Das ist wichtig – keine Frage.
Doch Normen orientieren sich in der Regel an durchschnittlich gesunden Erwachsenen.
Sie beantworten nicht die Frage:
„Was braucht ein Mensch mit Gleichgewichtsstörungen, eingeschränkter Greifkraft oder Pflegegrad?“
Das Problem mit „Standard-Sicherheit“
Ein Handlauf kann:
-
normgerecht
-
sauber montiert
-
technisch korrekt
sein – und trotzdem für einen Pflegebedürftigen ungeeignet.
Warum?
Weil Pflegebedürftige:
-
anders greifen
-
langsamer reagieren
-
mehr Kraft auf den Handlauf übertragen
-
häufig beidseitige Führung benötigen
Eine Norm berücksichtigt keine individuelle Einschränkung.
Beispiel aus der Praxis
Ein normgerechter Handlauf:
-
4–5 cm Durchmesser
-
auf einer Seite der Treppe
-
in Standardhöhe montiert
Für einen gesunden Menschen vollkommen ausreichend.
Für jemanden mit:
-
schwacher Handmuskulatur
-
zittrigem Griff
-
einseitiger Lähmung
kann genau diese Ausführung unzureichend sein.
Nicht, weil sie falsch ist –
sondern weil sie nicht individuell angepasst wurde.
Warum Stürze selten ein „Norm-Problem“ sind
Stürze passieren nicht, weil etwas nicht DIN-konform ist.
Sie passieren, weil:
-
der Halt nicht rechtzeitig erreichbar ist
-
die Greiffläche nicht sicher umschlossen werden kann
-
Übergänge nicht abgesichert sind
-
die Bewegungsabläufe nicht mitgedacht wurden
Normen schaffen Mindeststandards.
Sturzprävention erfordert mehr.
Sicherheit beginnt nicht bei der Norm – sondern beim Menschen
Wer echte Sturzprävention will, muss fragen:
-
Wie bewegt sich die Person im Alltag?
-
Wo entstehen Unsicherheiten?
-
Wie stark ist die Greifkraft?
-
Besteht ein Pflegegrad?
Erst dann kann entschieden werden:
-
ob einseitige oder beidseitige Handläufe sinnvoll sind
-
welche Griffstärke passend ist
-
welche Höhe individuell optimal ist
-
wo zusätzliche Sicherungspunkte notwendig sind
Das ist keine Frage der Norm –
sondern der Erfahrung.
DIN ist Grundlage – aber keine Garantie
DIN-Normen sind wichtig.
Sie sorgen für technische Qualität und Belastbarkeit.
Doch sie sind:
-
keine individuelle Risikoanalyse
-
keine pflegegerechte Planung
-
keine Sturzprävention im eigentlichen Sinne
Wer glaubt, ein „DIN-gerechter Handlauf“ verhindere automatisch Stürze,
verlässt sich auf einen Mindeststandard – nicht auf ein Sicherheitskonzept.
Fazit: Normgerecht ist nicht gleich sturzsicher
Ein Handlauf kann vollständig normkonform sein –
und dennoch nicht optimal zur Person passen.
Echte Sturzprävention beginnt dort,
wo Standard endet und individuelle Planung beginnt.
Und genau dieser Unterschied entscheidet im Ernstfall.










